Sojabohne – Der Wuchstyp ist entscheidend

Die Sojabohne wächst, indem sie in Etagen Blüten und Hülsen ausbildet. So werden immer neue Ertragsanlagen gebildet, bis die Vegetationszeit zu Ende geht und die Abreife einsetzt. Dabei gibt es zwei Wuchstypen, die unterschiedliche Vorteile in der Anbaueignung mit sich bringen.

Wuchstypen

Indeterminiert: Die Abstände zwischen den Etagen mit den Hülsen sind annähernd gleichmäßig (Bild links).
Semi-determiniert: Die Abstände zwischen den Etagen mit den Hülsen werden nach oben hin immer kürzer (Bild rechts).

In Österreich zählen die meisten Sorten eher zum indeterminierten Wuchstyp. Diese Sorten wachsen “unbegrenzt“ und bilden immer neue Etagen mit Hülsen aus. Der große Vorteil dieses Wuchstyps ist seine hohe Vitalität. Sorten dieses Typs sind meist ausgesprochen frohwüchsig und dadurch auch sehr stresstolerant. Sie schaffen es, selbst nach schwierigen Witterungsverhältnissen weiterzuwachsen und wieder neu Ertragsanlagen zu bilden. In unseren Breiten sind meist Trockenheit und Hitze die großen Herausforderungen. Indeterminierte Sorten sind zwar nicht grundsätzlich trockenheitstolerant, sie schaffen es aber, Trockenstress besser zu überstehen und danach wieder neu Hülsen zu bilden. Wenn die Umstände aufgrund von Trockenheit einmal schlechter sind, wird die Ertragsbildung zwar reduziert, aber nicht gestoppt. Sobald dann wieder Niederschläge vorhanden sind, geht die Ertragsbildung von Neuem weiter und die nächste Etage kann voll mit Hülsen und Körnern gefüllt werden. So ist dieser Sortentyp optimal für das Trockengebiet geeignet und ermöglicht durch seine Flexibilität immer die maximalen Erträge, die auf einem Standort im Anbaujahr möglich sind. Typische Vertreter unbegrenzt wachsender Sorten in Österreich sind LENKA in der Reifegruppe 00 bzw. EZRA in der späteren Gruppe 0.

Im Gegensatz dazu – der „semi-determinierte“ Wuchstyp

Bei diesen Sorten werden die Abstände zwischen den Etagen mit den Hülsen nach oben hin immer kürzer. Die einzelnen Etagen schieben sich mit zunehmender Pflanzenhöhe immer enger zusammen, bis sich an der Spitze ein richtiges Hülsenpaket bildet. Das sieht optisch nicht nur gut aus, sondern hat auch einige Vorteile. Dieser Typ zeigt im Vergleich zu anderen Sorten eine gleichmäßige und vor allem sichere Abreife. Da die Hülsenzwischenräume immer kürzer werden, bis die Hülsenpakete ganz zusammengeschoben sind, begrenzen sich diese Sorten praktisch selbst im Wachstum und die Reife setzt unabhängiger von äußeren Umständen und Witterungseinflüssen ein. Ein weiterer Vorteil der semi-determinierten Sorten ist die oftmals bessere Standfestigkeit. Aufgrund der Schotenverteilung am Stängel ergibt sich eine extrem gute Statik und damit eine exzellente Standfestigkeit. Weil die Stängelzwischenstücke immer kürzer werden, werden sie nach oben hin auch immer belastbarer. Dieses Prinzip ist seit jeher die Grundlage der Architektur und jedes Kind weiß, dass man unten mit den großen Bausteinen anfangen und nach oben hin kleiner werden muss, um einen stabilen Turm zu errichten. Dieser Sortentyp ist die optimale Konstruktion der Natur zur maximalen Stabilität. Sorten dieses Typs zeigen ihre Stärken vor allem im Feuchtgebiet. Ein typischer Vertreter dieses Typs in Österreich ist zum Beispiel die Sorte ES DIRECTOR (00) oder auch ES COMANDOR unter den frühen Sorten der Reifegruppe 000.
Dazwischen gibt es selbstverständlich auch Mischtypen, wie etwa die 00-Sorte SONALI oder die neue 0-Sorte CYPRESS, sodass sich für jede Anbaulage der richtige Sortentyp finden lässt.

Ing. Thomas Richter, DIE SAAT Sortenentwicklung Eiweißfrüchte