Erfahrungen aus der Getreideernte 2021

Die Witterungsbedingungen während der Vegetationszeit des Getreides waren in diesem Jahr von etlichen „Extremwerten“ gekennzeichnet.

GEWITTERREGEN: Zur Getreideernte im Juli kam es im Westen und Süden häufig zu Verzögerungen durch Gewitterregen.

In den Ackerbaugebieten Österreichs folgte einem schneearmen und relativ milden Winter ein milder und trockener März. Dies ergab ideale Bedingungen für die zu Vegetationsbeginn notwendigen Pflegemaßnahmen bei Wintergetreide und für die Aussaat des Sommergetreides. Der April zeigte sich mit unterdurchschnittlichen Temperaturen relativ kühl, sodass sich sowohl Winter- als auch Sommergetreide ideal entwickeln und bestocken konnte. Im darauffolgenden Mai herrschten ebenfalls unterdurchschnittliche Temperaturen, verbunden mit einem hohen Angebot an Niederschlägen. Für die Ausbildung der Ähren- und somit der Ertragsanlagen des Getreides stellten dies ideale Voraussetzungen dar, was üblicherweise auf eine gute Getreideernte schließen lässt. Leider wurden diese Hoffnungen durch einen von überdurchschnittlichen Temperaturen geprägten Juni vielerorts nicht erfüllt.Während im Juli die Getreideernte im Osten Österreichs zügig eingebracht werden konnte, kam es im Westen und im Süden häufig zu Verzögerungen durch Gewitterregen. Die Bilanz dieser Ernte fiel durchaus unterschiedlich aus. Die Wintergerste lieferte über alle Anbaulagen gesehen hohe Erträge bei guter Kornqualität, die anderen Getreidearten wurden infolge der ungünstigen Witterung im Juni in Mitleidenschaft gezogen.

Wintergerste
Bei Wintergerste konnten wir sowohl bei Braugerste als auch bei Futterware mit sehr guter Kornqualität punkten. Die derzeitige Hauptsorte bei Winterbraugerste KWS DONAU (Bio) brachte hervorragende Werte in punkto Kornertrag und Kornqualität, wie Sortierung und Proteinwert. Die neue zweizeilige Futtergerste BORDEAUX überzeugte v. a. mit enorm hohen Erträgen bei ebenfalls guter Kornsortierung und guten pflanzenbaulichen Eigenschaften. Bei den mehrzeiligen Sorten konnte SU JULE ihre hohe Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen.

Winterweizen
Bei Weizen kam es heuer v. a. im Osten Österreichs – je nach Bodenbonität – zu stark schwankenden Erträgen, da durch die heiße und trockene Witterung im Juni die Kornausbildung stark beeinträchtigt wurde. Generell brachten frühreifere Sorten wie ENERGO (Bio) oder IZALCO CS (Bio) bessere Erträge bei höherem Hektolitergewicht als spätreifere Sorten, die durch die ungünstige Witterung stärker zu leiden hatten. Die neue, ebenfalls frühreife Sorte AXARO, die heuer nur in geringen Mengen zur Herbstaussaat zur Verfügung steht, punktete im Versuchsanbau mit überdurchschnittlichen Erträgen bei sehr gutem Hektolitergewicht.

In anderen Anbaugebieten, wie beispielsweise in Oberösterreich oder im niederösterreichischen Waldviertel, wurde die Ernte häufig von Regenperioden und Gewittern unterbrochen. Die häufig verwendeten Sorten SPONTAN (Bio) und WPB CALGARY überzeugten in diesen Gebieten auch heuer mit ihrem hohen Ertragspotenzial und sehr guter Standfestigkeit.

Die neue Mahlweizensorte ASORY, die in Deutschland bereits zu den Hauptsorten gehört, wird in Österreich heuer erstmals in größerem Ausmaß zur Aussaat zur Verfügung stehen. ASORY ist ein Winterweizen mit mittlerer Reife, mittlerer Standfestigkeit und sehr hohem Ertragspotenzial. Von Vorteil ist auch die gute Fallzahlstabilität und die damit verbundene Auswuchsfestigkeit.

Im Süden Österreichs (im Burgenland, der Steiermark und in Kärnten) waren die sehr standfesten Sorten AXIOMA, BERNSTEIN (Bio) und SPONTAN (Bio) erfolgreich in Ertrag und Qualität.

Ing. Ernst Fradinger, DIE SAAT Sortenentwicklung Getreide