Gelbverzwergungsvirus in der Wintergerste

Sortentoleranz als Maßnahme gegen eine Krankheit mit gravierenden Folgen.

Die Große Getreideblattlaus, die Bleiche Getreideblattlaus und die Haferblattlaus dienen als Überträger des Gelbverzwergungsvirus.

Im Frühjahr wird das volle Ausmaß der Virusinfektion nach und nach sichtbar. Nesterweise vergilben ganze Pflanzen und sterben meist vollständig ab.

PARADIES (linke Parzelle) zeigt in dieser natürlichen Befalls-Situation keine Infektionen, im Gegensatz zur anfälligen Kontrolle (rechte Parzelle).

Das Gelbverzwergungsvirus (kurz: BYDV) trat in den letzten Jahren eher sporadisch auf. Wenn es zu einem Befall kommt, führt das aber schnell zu einem Umbruch und damit einem Totalausfall der Kultur.

BYDV wird von Blattläusen übertragen. Diese fliegen im Herbst aus nicht gemähten Feldrainen, grünen Maisbeständen und Ausfallgetreide bei warmer Witterung in die Gerstenbestände ein. Sobald die Wintergerste 3 Blätter entwickelt hat und über mehrere Stunden eine Tagestemperatur von mindestens 10° C erreicht wird, ist ein Befall möglich. Ausgehend von den Erstinfektion breiten sich dann ca. 1 m2 große Befallsnester durch Sekundärinfektionen aus. Der Zuflug der sehr mobilen Blattläuse kann aber in mehreren Wellen erfolgen. Bei warmer bzw. frostfreier Witterung im Herbst können Blattläuse bis in den November hinein aktiv bleiben. Bestände, die zwischen Ende September und Anfang Oktober gesät werden, sind damit besonders gefährdet.  Die räumliche Nähe zu Kulturen, die den Blattläusen im Sommer als Wirt dienen, ist ebenfalls befallsfördernd. Einen Hinweis über die Verbreitung des Virus in den Blattläusen liefert das Monitoring der Landwirtschaftkammern. Diese Ergebnisse sind ab Anfang September unter www.warndienst.at abrufbar.

Woran erkennen Sie eine BYDV-Befall?

Die Gerste bleibt im Herbst weitgehend symptomlos. Bei Vegetationsstart im Frühjahr bleiben die infizierten Pflanzen im Wuchs zurück, vergilben und bilden meist gar keine Halme aus. Die Befallsnester sterben je nach Infektionsstärke oft ganz ab. Eine Weiterführung des Bestandes ist je nach Befall in vielen Fällen nicht mehr wirtschaftlich.

Welche direkten und vorbeugenden Maßnahmen können Sie ergreifen?

Eine chemische Bekämpfung der Blattläuse im Herbst ist möglich. Die Bekämpfung muss allerdings unmittelbar nach dem Zuflug erfolgen. Eine einmalige Bekämpfung bietet oft keinen ausreichenden Schutz. Auch eine Verschiebung des Aussaatzeitpunktes senkt das Infektionsrisiko. Gerade der nasse Herbst 2020 zeigte aber auch die Grenzen dieser vorbeugenden Maßnahme auf.  Der Vorteil von virustoleranten Wintergersten liegt damit auf der Hand. Sie gewährleisten einen umfassenden, guten Schutz vor einer BYDV-Infektion – unabhängig von der Witterung und dem Infektionszeitpunkt.

Inzwischen hat es die Gerstenzüchtung auch geschafft, sehr effektive Virustoleranzen in leistungsfähige neue Sorten zu integrieren. Als erste mehrzeilige BYDV-tolerante Wintergerste bietet DIE SAAT die Sorte PARADIES an.  Neben der BYDV-Toleranz ist PARADIES gut tolerant gegenüber Blattkrankheiten und zeigt eine rasche Jungentwicklung. PARADIES hat sich bereits in den letzten beiden Jahren mit sehr guten Praxiserträgen bewiesen. Die Virustoleranz stellt damit einen Zusatznutzen einer agronomisch interessanten Sorte dar.

Natürlich ist es sinnvoll, den Anbau einer virustoleranten Sorte mit bewährten vorbeugenden Maßnahmen zu kombinieren. Beseitigen Sie Ausfallgetreide rasch und vermeiden Sie Getreidedurchwuchs in Begrünungen. Extrem frühe Saattermine sind ebenfalls nicht sinnvoll, da auch andere Virosen und Krankheiten dadurch gefördert werden.

Für welche Standorte empfehlen sich BYDV-tolerante Sorten besonders?

Für Bio-Betriebe stellt die Virustoleranz die einzige direkte Methode zur Infektionsvermeidung dar (Sortenpass PARADIES Bio). Zusätzlich weist Paradies eine sehr gute Unkrautunterdrückung und gute Krankheitstoleranzen auf. Auch für konventionelle Betriebe ist das eine interessante Option. Auf Standorten mit häufigem Befall lässt sich das Infektionsrisiko erheblich reduzieren. Landwirten mit hohen Arbeitsspitzen im Oktober fällt eine termingerechte Insektizid-Anwendung oft schwer. Das gilt auch für Standorte, die im Herbst schwierig zu befahren sind.  Virustolerante Sorte erleichtern es Ihnen, sicher durch den Herbst zu kommen und mit gesunden Beständen im Frühjahr die Basis für hohe Erträge zu legen.

DI Philipp Karoshi, DIE SAAT Sortenentwicklung Getreide