Gute Herbstentwicklung bei Wintergetreide – Basis für hohe Erträge

Die eher kühle zweite Vegetationshälfte bringt heuer in vielen Regionen eine unerwartet späte Abreife der Wintergetreidevorfrüchte Mais, Kürbis und Sojabohne. Eine gute Herbstentwicklung ist aber eine wesentliche Grundlage für hohe Erträge.

Weizen ist am flexibelsten in der Saatzeit. Bei guten Bodenbedingungen kann er auch gegen Ende der Herbstvegetation noch gesät werden.

Gute Herbstentwicklung wird nicht nur an der Ausbildung der oberirdischen Blattmasse und Bestockungstriebe sichtbar. Gut entwickeltes Wintergetreide profitiert auch von dem besser ausgebildeten Wurzelsystem. Dieses Wurzelsystem erreicht tiefere Bodenschichten und sichert damit den Zugang zu größeren Wasservorräten in späteren Trockenphasen. Muss man hier die Aussaatpläne nochmals überdenken? Dieser Artikel gibt Ihnen dabei einige Entscheidungshilfen.

Entscheidend für gut entwickelte Herbstbestände sind folgende Faktoren.

  • Bodentemperatur und –feuchte:  Auf kalten und staunassen Böden sind Keimung und Feldaufgang deutlich verlangsamt – und die nachfolgende Entwicklungsphase verkürzt. Eine langsame Keimung verlängert auch den Infektionszeitraum von Krankheiten die in der Keimlingsphase in die Pflanze eindringen. Das betrifft ganz besonders den samen- und bodenbürtigen Steinbrand. Einen wirksamen Schutz bieten gesundes und gebeiztes Z-Saatgut. Auch der steinbrandtolerante Bioweizen Tilliko hat sich hier bewährt, ist aber kein Ersatz für Saatgutwechsel und Feldhygiene. Nass-kalte Bodenbedingungen hemmen auch das Wurzelwachstum. Am empfindlichsten reagiert darauf die Wintergerste. Als Alternative bieten sich dann eher Triticale und Weizen an.
  • Saatzeit und Kulturwahl: Ja nach Kultur wirkt sich die Herbstentwicklung unterschiedlich stark auf die für die Ertragsbildung im folgenden Frühjahr aus. Wintergerste brauchte für hohe Erträge eine ausreichende Bestockung im Herbst. Im Frühjahr bestockt sie nur noch wenig und geht am schnellsten in die darauffolgende Schossphase über. Auch Roggen und Triticale sollen sich möglichst noch im Herbst bestocken. Beide Kulturen zeigen aber bei kühleren Temperaturen noch mehr Pflanzenwachstum als Wintergerste. Sie können damit um gut 2 Wochen länger gesät werden. Weizen ist am flexibelsten in der Saatzeit. Bei guten Bodenbedingungen kann er auch gegen Ende der Herbstvegetation noch gesät werden. Bei Saaten ab Anfang November müssen Sie aber mit reduzierten Erträgen im Vergleich zum opimalen Sätermin rechnen. Hier können Sie mit der Sortenwahl in gewissem Ausmaß gegensteuern.

Das bleibt zu beachten:

  • Gute Aussaatbedingungen sind entscheidend für die Etablierung kräftiger Pflanzen. Lieber ein paar Tage später, aber bei besseren Bedingungen säen, das zahlt sich nach wie vor aus.
  • Auf günstigen Standorten mit ausreichend Vegetation im November können Triticale und Roggen bis Ende Oktober ohne Einschränkung gesät werden.
  • Bei Weizen hilft Ihnen auch die Sortenwahl. Als saatzeitflexibel erweisen sich insbesondere die Sorten Asory, Spontan und WPB Calgary. Bernstein, Emilio und Lennox sind Qualitätsweizen die auch bei späten Saaten hohe Erträge bringen. Lennox ist ein Wechselweizen. Das heißt, er kann sehr spät im Herbst und auch als Sommerweizen im Frühjahr gesät werden.
  • Bei späten Saaten ist die verkürzte Bestockungszeit bei der Saatstärke einzukalkulieren. Im Vergleich zur geplanten Saatstärke zum optimalen Zeitpunkt ist diese schrittweise um bis zu 30% zu erhöhen, z.B. bei Weizen von 300 Körnern in der ersten Oktoberhälfte auf 390 Körner Mitte November und bei widrigen Bedingungen.
  • Der Feldaufgang bei späten Saaten und schlechten Bedingungen ist Schwerarbeit für die Keimpflanze. Nur zertifiziertes Saatgut und genaue Beizung sichern den Feldaufgang und schützen vor Krankheiten in dieser empfindlichen Phase.

DI Philipp Karoshi, DIE SAAT Sortenentwicklung Getreide