Herausfordernde Bedingungen für den Maisaufgang 2021

In den letzten Jahren hat sich eine sehr frühe Maisaussaat oft bewährt. Obwohl das Saatbett kaum die geforderten 10°C Bodentemperatur erreichte, musste der Maisanbau vorgenommen werden. Dieses Jahr folgte aber nicht die erhoffte Erwärmung. Die Aufgangsbedingungen bleiben sehr herausfordernd für die wärmeliebenden Maiskörner.

Keimung und Aufgang sind ein ständiges Wechselspiel verschiedener Hormone und Enzyme. Zur Erinnerung: Mais ist eine tropische Pflanze und benötigt optimaler Weise über 20°C für eine gute und rasche Keimung und anschließend raschen Aufgang. In Österreich ausgewählte und angebotene Sorten können auch mit geringeren Temperaturen zurechtkommen – für problemlosen Aufgang sollten 10°C aber nicht unterschritten werden. Bei Kälteeinwirkung wird das Gewebe spröde, bricht und bildet wiederum Eintrittspforten für sonst harmlose Parasiten. Je länger das Korn oder der Keimling in nassem und kaltem Erdreich liegt, desto häufiger wird es von verschiedenen Organismen angegriffen – Pilze, Bakterien, tierische Schädlinge wie Drahtwurm und Saatfliege.

Üblicher Weise wächst der Mais solchen Attacken davon und hat keine Probleme. Heuer treffen viele negative Einflüsse für die Jugendentwicklung bei Mais aufeinander, dass man selbst bei besten Saatgutpartien verkrüppelte oder verfaulte und abgestorbene Keimpflanzen finden kann. Stark wechselnde Temperaturen von warmen Tagen und kalten Nächten verschlimmern die Situation. Je schwerer und nasser der Boden, desto eher ist mit Auflaufschäden zu rechnen – grobe Ernterückstände können auch das Austrocknen und Erwärmen verzögern. Durch länger anhaltend widrige Bedingungen kann der Mais wochenlang im Boden liegen oder im 2-3-Blatt-Stadium hängen bleiben, was auch noch zum Verlust von Pflanzen führen kann. Je nach Anbauzeitpunkt und anschließendem Witterungsverlauf sind in diesem Jahr Schäden unabhängig von Sorte und Saatgutqualität zu erwarten.

UMBRUCH und NACHBAU?

Mais in Spätsaat: Nach der ersten Maiwoche ausgesät, fällt der Ertrag bei Mais immer rascher ab im Verhältnis zu optimal gesätem Mais (Mitte April bis Anfang Mai). Je später, desto rapider fällt die Ertragserwartung, weil die Blüte ungefähr zum gleichen Datum sein wird und daher weniger Tage für die Ertragsbildung zur Verfügung stehen. Je nach Witterungsverlauf kann man mit 20 bis 200 kg weniger Ertrag/Tag rechnen und mit deutlich höherer Erntefeuchte. Ein Umbruch bei schwachem Aufgang mit Neuansaat ist daher ein nicht zu unterschätzendes Risiko. Mais kann sehr viel ausgleichen, wenn die Fehlstellen einigermaßen gleichmäßig verteilt sind. Wir empfehlen, erst bei 50% Ausfall zu erwägen, ob eine Neuansaat sinnvoll sein kann. Wenn, dann mit frühen Sorten wie ES YAKARI, LG 30215 oder in günstigeren Lagen von ES INVENTIVE (Rz 290) bis GLUMANDA (Rz ca. 310).

Abschätzung Feldaufgang:

Um mit einem 3-m-Maßband die Pflanzenzahl zu schätzen, empfiehlt es sich, 10x zufällig verteilt am Feld Stichproben zu machen und zu mitteln:

  • Bei 75 cm Reihenweite auf 267 cm ist die Pflanzenzahl x 5 x 1.000 die Pflanzenzahl/ha
  • Bei 70 cm Reihenweite auf 286 cm ist die Pflanzenzahl x 5 x 1.000 die Pflanzenzahl/ha
Länge267
Reihenweite75
Parzellengröße2,00
Pflanzen/ReiheTatsächliche BestandesdichteAbstand in der Reihe
15.000266,7
210.000133,3
315.00088,9
420.00066,7
525.00053,3
630.00044,4
735.00038,1
840.00033,3
945.00029,6
1050.00026,7
1155.00024,2
1260.00022,2
1365.00020,5
1470.00019,0
1575.00017,8
1680.00016,7
1785.00015,7
1890.00014,8
1995.00014,0
20100.00013,3
Länge286
Reihenweite70
Parzellengröße2,00
Pflanzen/ReiheTatsächliche BestandesdichteAbstand in der Reihe
15.000285,7
210.000142,9
315.00095,2
420.00071,4
525.00057,1
630.00047,6
735.00040,8
840.00035,7
945.00031,7
1050.00028,6
1155.00026,0
1260.00023,8
1365.00022,0
1470.00020,4
1575.00019,0
1680.00017,9
1785.00016,8
1890.00015,9
1995.00015,0
20100.00014,3

Durch Kälteperioden und langsames Wurzelwachstum kann es zur Violett-Verfärbung der jungen Pflanzen kommen, ähnlich Phosphormangelsymptomen. Das ist sehr selten ein Grund zur Sorge – bei wüchsigem Wetter ist alles bald wieder grün! Bleibt es allerdings über Wochen kalt, kann das Pflänzchen absterben. Manche Sorten neigen eher zu Verfärbung der Blätter andere weniger – dies hat keinen Einfluss auf die spätere Ertragsleistung.

Je länger die jungen Pflanzen im Wachstum stehenbleiben, desto länger können Schädlinge empfindliches Gewebe fressen – im Bild extremer Fritfliegenschaden – später kommt dann auch noch massiver Beulenbrandbefall dazu.

Eine zu seichte Ablage oder eine zu tiefe, feinkrümelige Bodenbearbeitung sind oft Gründe für einen sehr unregelmäßigen Feldaufgang.

Frost kann bei sehr frühem Anbau die Entwicklung immer wieder zurückwerfen.

Keimpflanzen wachsen unter der Erden quer, kommen aber nicht aus der Erde raus. Das sehen wir speziell, wenn es nach einer warmen Periode beim  Anbau warm und trocken ist. Der Boden ist bis in tiefere Bereiche warm.  Nach der Saat kommt es beim Wachsen des Keimlings zu kalten Nächten (Bodenfrost) – dann kommt es vor, dass die Pflanze die Richtung nicht findet. Die Wurzel wird durch die Schwerkraft nach unten gelockt. Der Spross aber wächst der Wärme entgegen. Da nicht alle Körner zeitgleich im Stadium der Sprossknospenbildung sind, kann es einzelne treffen, die durch die kalte Bodenoberfläche irritiert werden und andere werden ganz normal nach oben geführt.