Mais besteht auch 2021 bravourös

Wie schon letztes Jahr berichten wir über ein Wechselbad der Gefühle in der Vegetationszeit.
Aus wirtschaftlicher Sicht war Mais auch 2021 eine überaus wertvolle Ackerkultur. Ein kurzer Erfahrungsbericht über verschiedene Nutzungsrichtungen.

Bemerkenswert – Moderne Sorten, wie DieMelissa DKC 5092, beeindrucken mit über 20 gut ausgeprägten Kornreihen.

Schon lange nicht mehr sah man Anfang November noch so viel Mais am Acker stehen wie im vergangenen Jahr der Überraschungen. Begonnen hat es schon damit, dass die Aussaat nicht so zeitig beginnen konnte wie die Jahre davor. Kam der Mais dennoch bereits vor der zweiten Aprilhälfte in den Boden, hatten die Keimlinge einen schweren Start ins Leben. Maissaatgut, das später in ausreichend erwärmten Boden gesät wurde, überholte oft die dahinsiechenden Bestände der Frühsaaten. War der April zu kalt, war der Juni sehr warm und nicht nur im Süden sehr trocken. Viele bemerkten Bodenunterschiede auf ihren Feldern, die bis dato unbekannt waren. Jede Untiefe oder Strukturschwäche des Bodens trat durch verkümmerte Pflanzen zum Vorschein. Aber auch Schädlinge und Unterschiede in der Vitalität einzelner Saatkörner führten zu unterschiedlicher Entwicklung innerhalb der Bestände. Nachzügler in der Keimung zeigten später schlechte Befruchtung, reduzierte Kolbenspitzen, Beulenbrand, Kolbenfäule und teilweise sogar sterile Pflanzen – oft in Zusammenhang mit Wuchsstoffherbiziden.

Der trockene Juni förderte auf guten Böden das Wurzelwachstum, daher konnte der gerade noch rechtzeitig einsetzende Regen optimal genutzt werden. Durch kleinräumige Boden- und Niederschlagsunterschiede wurde so mancher Bauer auf dem einen Schlag durch Rekorderträge überrascht, während ein paar hundert Meter weiter kaum etwas zu ernten war. Das merkte man auch in Sortenversuchen: Es gibt sogenannte „Rennpferdsorten“. Diese bringen unglaubliche Spitzenerträge wenn alles passt, sind aber sehr empfindlich auf Störungen. Andere wiederum puffern in den Phasen der Ertragsanlage ungünstige Einflüsse besser ab und sind auf vielen Standorten vorne dabei. Daher ist es gut, sich ein Bild über die „Dauerkondition“ einer Sorte in mehrortigen und mehrjährigen Versuchsberichten zu machen.

Silomaissorten mit ausgewogenem Abreifeverhalten von Vorteil

Die Verzögerung aus der frühen Wachstumsphase konnte der relativ warme Frühsommer nur bedingt aufholen und die Stärkeeinlagerung wurde vom feuchten und bewölkten August wieder eingebremst. Diese gemächlichere Abreife ermöglichte vielen Silomaisbauern eine optimale Ernte bei 30 – 36 % Gesamttrockensubstanzgehalt. Blieben die Blätter lange grün, musste man besonders auf den Reifegrad der Körner achten, während andernorts schlagartig das Blattgrün verloren ging und die Verdaulichkeit der Restpflanze litt. Als gelungenste Empfehlung im mittelfrühen Silomaisbereich zeigte sich SY COLLOSSEUM und im späteren Reifebereich setzte sich immer mehr DieSONJA® DKC 4717 mit ihrer ausgewogenen Abreife als Silomais in Szene. In ähnlicher Manier überzeugte im noch späteren Reifebereich DieSTEFANIE® DKC 5141. Die Silos waren in den meisten Regionen so früh voll, dass der Rest am Feld zum Dreschen stehen blieb. Glücklich, wer für diesen Fall eine sogenannte Doppelnutzungssorte angebaut hatte.

Unterschiedliche Korntypen für verschiedene Nutzungsrichtungen 

Echt frühe Sorten mit Hartmaischarakter, wie LG 30.179, hätten locker schon Anfang September geerntet werden können. Für die frühe Nassmaislieferung setzten sich jedoch in den warmen Jahren immer mehr spätere Sorten mit Zahnmaiseigenschaften durch. Diese wurden allerdings erst deutlich später druschfähig, gingen aber am Ende mit der Erntefeuchte viel rascher runter. Der warme und sonnige September bescherte vielen Körnermaisbauern doch noch die Möglichkeit, die Drescher Ende des Monats einzusetzen, vor allem Musmais- und Feuchtkornsilos zu füllen und die Stärkeindustrie mit Nassmais zu beliefern.

Gerade für die Nassmaiskonservierung erwiesen sich in mittelfrühen Anbaugebieten Sorten mit Hartmais-Charakter als vorzüglich, da die Abreifephase länger ist. Die mittlerweile weit verbreiteten Zahnmaissorten gingen mit den warmen, sonnigen Herbsttagen schlagartig mit der Erntefeuchte nach unten, während Hartmaissorten wie LG 31.219 und LG 31.256 ein längeres Erntefenster zuließen. Zahnmaissorten mit früher Blüte und ausgewogener Abreife, wie DieSANTANA® DKC 3623 oder die neue DieSAFARI® DKC 3609, boten Ertragssicherheit und gute Trocknungsfähigkeit.

Unerwartet hoher Körnermaisertrag bei späten Sorten

In den wärmeren Anbauregionen waren die späten Zahnmaissorten mit ihrem höheren Ertragspotenzial abermals klar im Vorteil. Trotz erwähnter Probleme in der Vegetationszeit überraschte der Körnermais bei der Ernte mit verblüffend hohen Erträgen. In den nördlichen oder höher gelegenen Anbaugebieten erwiesen sich Sorten mit Reifezahl bis maximal 380, nicht zuletzt wegen der geringeren Trocknungskosten, als besonders wirtschaftlich. Beim Versuch der Landwirtschaftskammer Niederösterreich in Diendorf bei Herzogenburg konnte mit der neuen 380er-Sorte DieSILKE DKC 4416 sogar ein Trockenmaiserlös von ca. 2.500 Euro bei 15 t/ha Körnermais errechnet werden (Preis: 220 €/t abzüglich Trocknungskosten). Beim LK-Versuch in Bullendorf im Bezirk Mistelbach (NÖ) war diese Sorte gar die Nummer 1 beim Trockengewicht. In den südlichen Gunstlagen punkteten hingegen abermals die gesunden und bewährten 400-Plus Sorten wie DieSISSY® DKC 5068 und DieSTEFANIE® DKC 5141. Die beeindruckendste Körnermais-Neuerscheinung war DieMELISSA DKC 5092 mit oft über 15 t Trockenmais/ha. Beim Die Saat-Praxisversuch in Studenzen (Steiermark) erreichte die Sorte sogar knapp 18 t Trockenmais/ha. Häufig konnte man 20 und mehr Kornreihen am Kolben zählen.

Wählen Sie Ihren Sortenmix zum Großteil aus Bewährtem und zu einem geringeren Teil aus interessanten neuen Angeboten. So wird sich Mais auch 2022 abermals als wichtiger Bestandteil einer wirtschaftlichen Fruchtfolge für Veredelung und Vermarktung beweisen und trotz erhöhter Betriebsmittelkosten seinen Beitrag zum Betriebserfolg liefern.

DI Martin Prüller, DIE SAAT Sortenentwicklung Mais