Samenflecken in der Sojabohne

Im Anbaujahr 2021 ist es in der Sojabohne verstärkt zum Auftreten von sogenannten Samenflecken auf der Ernteware gekommen. Dabei zeigen die Sojakörner braune, unregelmäßige Flecken. Hauptursache war das wechselhafte Wetter und die in der gesamten Vegetationsperiode immer wieder auftretende kühl-feuchte Witterung, vor allem die feuchte Witterung im August.

Samenflecken unterschiedlicher Ausprägung bei Sojabohne

Der Farbstoff aus dem Samenfleck (Hilum) ist während der Einlagerung wasserlöslich und damit im Korn mobil. Wenn in diesem Zeitraum Stressfaktoren für die Pflanze auftreten, wird dieser Farbstoff nicht ausreichend im Hilum fixiert, sondern zwischen Mehlkörper und Samenschale ausgewaschen. Samenflecken sind dann die Folge. Sie können auch bei Körnern mit hellem Nabel auftreten. Dieses Phänomen tritt weltweit auf und wird im englischen als „bleeding hilum“ bezeichnet, weil es so aussieht, als würde der Samenfleck bluten.

Ursachen für das Auftreten
Hauptursache ist oft kühle, feuchte Witterung während der Einlagerung, wie sie im August 2021 in weiten Teilen des österreichischen Sojaanbaugebiets vorgekommen ist. Weiters können auch Pflanzenkrankheiten für diese Einlagerungsstörung verantwortlich sein. Hier ist hauptsächlich das Soja-Mosaik-Virus zu nennen, das sehr oft auch Samenflecken verursacht. Aber auch Sklerotinia, die den Stängel befällt und den Nährstofftransport in der Pflanze unterbindet, kann eine mögliche Ursache sein. Oft sind für ein Anbaugebiet relativ spätere Sorten mehr betroffen, weil sie mit der Einlagerung eher in eine kühle, feuchte Witterungsphase kommen können. In der beschreibenden Sortenliste der AGES gibt es Einstufungen zum Merkmal Samenflecken. Als rein optischer Effekt können sie genetisch nicht vom Saatgut auf den Aufwuchs übertragen werden. Wenn allerdings eine Sorte für ein Anbaugebiet relativ spät in der Reife ist und daher wiederholt in ungünstige Abreifebedingungen kommt, können Samenflecken immer wieder auftreten. Die Samenflecken sehen am Erntegut zwar nicht schön aus, sind aber nichts Unnatürliches oder Gefährliches. Es handelt sich dabei um einen rein optischen Effekt – es kommt im Korn nichts dazu und nichts weg.

Einschränkungen in der Vermarktung?
International verursachen Samenflecken am Erntegut meist keine Probleme, da die Sojabohne in einer Ölmühle zu Öl und Sojaschrot verarbeitet wird. Probleme können im Speisesoja auftreten, da die Verfärbungen im Korn zu einem Grauschleier im Endprodukt führen können. Allerdings werden auch im Speisebereich die allermeisten Produkte nicht pur (Sojajoghurt Natur) sondern mit Geschmack und Farbe (Sojajoghurt Erdbeere) angeboten, was auch hier die Problematik minimiert. Wenn es technisch und räumlich möglich ist, macht eine getrennte Übernahme und Lagerung von Erntegut mit Samenflecken Sinn, damit eine optimale Vermarktung der unterschiedlichen Partien gewährleistet bleibt.

Ing. Thomas Richter, DIE SAAT Sortenentwicklung Eiweißfrüchte