Sojabohne und Rhizobien – Szenen einer Ehe

Bei der Verbindung von Sojabohne und Rhizobien handelt es sich um eine Symbiose – also um einen freiwilligen Zusammenschluss, vergleichbar einer Ehe.

Eine Ehe ist nicht einfach

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Das bedeutet aber auch, dass es keinen Automatismus oder Garantie für eine Zusammenarbeit von Pflanze und Bakterium gibt. Es existieren auch viele Ursachen und  Gründe warum eine Partnerschaft eben nicht zustande kommt. Und das obwohl die Sojabohnen mit einem Innokulat behandelt worden ist.

Man muss verstehen dass die Symbiose von Sojabohne und Rhizobien für beide Partner eine aufwendige, kraftraubende Angelegenheit ist. Die Rhizobien sind in der Lage Luftstickstoff zu binden, diesen in eine pflanzenverfügbare Form zu transferieren und ihn damit für die Sojabohne nutzbar zu machen. Das ist chemisch gesehen eine aufwendige Umwandlung, die viel Energie kostet. Umgekehrt muss die Sojapflanze die Knöllchenbakterien ernähren die an ihrer Wurzel wachsen und sich aus dem Saftstrom der Pflanzen bedienen.

Bodenimpfung als Vorsorge

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Anderes als z.B.: bei Pflanzenschutzmittel die oft unterschiedliche Wirkstoffe für die gleiche Anwendung enthalten, verwenden alle Sojaimpfmittel das gleiche Bakterium – Bradyrhizobium japonicum. Denn nur mit diesem Bakterium kann die Sojabohne diese Symbiose eingehen.
Wenn die Symbiose einmal nicht funktioniert ist es im Einzelfall oft sehr schwierig herauszufinden warum es nicht geklappt hat. Meist erfolgt eine Reklamation wenn die Pflanzen gelb wirken und sich nicht gut entwickeln. Zu diesem Zeitpunkt ist es eigentlich schon zu spät und eine Uraschensuche kann dann nur noch im Nachhinein erfolgen, was oft schwierig ist.
Außerdem finden diese Vorgänge im Boden statt und sind aufgrund der Größe der Bakterien nicht zu beobachten. A uch die Haltbarkeit der Bakterien im Boden wird oft sehr unterschiedlich diskutiert. Fakt ist das es sich bei der Sojabohne (anderes als bei Erbsen oder Ackerbohne) nicht um eine heimische Kulturpflanze handelt und daher auch ihre Partnerbakterien bei uns natürlich nicht vorkommen. Man sollte daher in jedem Fall sein Saatgut neu beimpfen, auch wenn auf diesem Feld bereits Soja angebaut war. Das kostet relativ wenig und bringt Sicherheit in der Stickstoffversorgung.
Es ist eine der großen “Tragödien“ im Pflanzenbau, dass wir von Unmengen an Luftstickstoff (~78% N2 in der Luft) umgeben sind, die Pflanze diesen aber nicht direkt nutzen kann und wir mit sehr hohem Energieaufwand und Kosten Stickstoffdünger herstellen müssen. Bei der Sojabohne haben wir die Möglichkeit einer “biologischen“ Stickstoffversorgung. Gerade weil es schwierig ist und auch einmal nicht funktioniert, sollte jeder Landwirt alles unternehmen um diese Art der Stickstoffversorgung zu fördern, denn das ist für die Umwelt und die eigene Brieftasche in jedem Fall wesentlich günstiger.

Fehlergründe & Empfehlungen

Gründe warum es nicht funktioniert:
  • Äußere Einflüsse am Feld/Boden (zu kalt, zu nass, zu trocken)
  • Staunässe – keine Luft im Boden, keine Luftstickstofffixierung
  • Stickstoff im Boden vorhanden (Düngung, Mineralisierung, Boden)
  • Stress der Pflanze (Kälte, Krankheiten, Insekten, Herbiziddepression)
  • ph-Wert (Boden, Dünger die sauer bzw. basisch wirken)
  • Fehler in der Lagerung von Saatgut od. Impfmittel (kühl lagern!!!)
  • Fehler beim Transport von Saatgut od. Impfmittel Fehler beim Anbau (Hitze, Sonne…)
Empfehlungen - was kann der Landwirt tun?
  • Die oben angeführten Fehlerquellen minimieren
  • Vorinokuliertes (Saatfertig), zertifiziertes Saatgut verwenden
  • Zusätzliche Inokulation vor der Aussaat sichert Knöllchenansatz
  • Vorsichtiger Transport von Saatgut und Impfmittel (nicht im heißen Auto)
  • Richtige Lagerung am Betrieb zuhause (kühl und trocken)
  • Inokulation direkt vor der Aussaat (just in time, immer nur eine Sämaschine)
  • Sämaschine vor übermäßiger Hitze und Sonneneinstrahlung schützen
Weitere Informationen zu unserem Sojabohnen-Sortiment erhalten Sie auch im Fachblatt Saatgut Frühjahr 2019, Fachblatt Bio Frühjahr 2019, im Artikel Sojabohne - die passenden Sorten für den Anbau 2019 und in der Sojabohnen-Sortiments-Übersicht.