Trendsetter Winterleguminosen

Winterleguminosen liegen europaweit im Trend, doch warum? Welche Vorteile bietet der Anbau von Erbsen und Ackerbohnen im Herbst und was ist zu beachten?

Der Anbau von Winterleguminosen findet in der gleichen Anbauperiode wie der Getreideanbau statt. Allgemein ist es wichtig, dass Winterleguminosen nicht „schnell“ in den Boden „geschmiert“ werden. Je nach Kultur und Witterungsbedingungen ist der optimale Aussaatzeitpunkt zu wählen. Bei Wintererbsen empfiehlt sich, die Aussaat vor dem Winterweizen vorzunehmen. Ideal werden die Wintererbsen bei einer Aussaatstärke von 120 Körnern/m2 in eine Bodentiefe von 4 bis 6 cm gedrillt. Hingegen empfiehlt sich, bei Winterackerbohnen den Anbauzeitpunkt wie beim Winterweizen zu wählen und die Anbaustärke auf 30 Körner/m2 zu reduzieren. Durch das extrem starke Verzweigungspotenzial der Winterackerbohne ist die Kultur bestens für die Einzelkornsaat geeignet und kann mit einer geringeren Anbaustärke ausgesät werden. Zu achten ist auf die recht tiefe Ablage bei der Winterackerbohne, die bei 6 bis 8 cmliegt, damit die Pflanze über den Herbst eine kräftige Pfahlwurzel entwickeln kann.

Frühstart im Frühjahr
Durch den sauberen Anbau im Herbst haben die Winterleguminosen noch genügend Zeit, sich zu entwickeln und im 4-6-Blattstadium in die Winterruhe zu gehen. Dabei erzeugen sie noch einiges an Biomasse, die enorme Vorteile am Acker bringt. Angefangen bei den nützlichen und teilweise weitreichenden Wurzeln bis hin zur oberirdischen Blattmasse, bringen die Winterleguminosen einige Chancen für den Boden. Sie bedecken den Acker, sorgen für Erosionsschutz und helfen, Wasser und Nährstoffe über den Winter zu halten. Doch der wahre Trumpf zeigt sich im Frühjahr, wenn die Winterleguminosen einen „Frühstart“ hinlegen und die Trockenzeit „links
liegen lassen“. Durch die aufgebaute Biomasse im Herbst können sie das Wasser aus dem Winter effektiv nutzen und schnell an Masse zulegen. Gleichzeitig wird damit auch das Ertragspotenzial zu einem gewissen Teil gesichert und aufgebaut. Während sich die Sommerform noch im Anfangsstadium befindet und die letzten Wasserreserven für den Pflanzenaufbau verwendet, kann die Winterform diese bereits in die Ertragsbildung stecken. Und das zahlt sich aus, denn das Ertragspotenzial von Winterleguminosen gegenüber ihrer Sommerform ist wesentlich höher.

Österreichische Genetik ganz vorne dabei
Aktiv wird in der Steiermark bei der Saatzucht Gleisdorf GmbH an Winterackerbohnen gezüchtet. Die jahrelange Erfahrung mit der Kultur hat sich ausgezahlt, denn die zwei einzigen registrierten Winterackerbohne-Sorten in Österreich stammen von der Saatzucht Gleisdorf GmbH: GL ARABELLA (Bio) und GL ALICE (Bio). Beide Sorten sind für den Anbau in Österreich bestens geeignet. Augenmerk wird bei der Züchtung natürlich auf das Ertragspotenzial gelegt, um den Landwirten einen noch höheren Ertrag zu ermöglichen.

Bernhard Rapf, BSc, DIE SAAT Sortenentwicklung Öl-/Eiweißfrüchte

FRÜHER START
Durch die im Herbst aufgebaute Biomasse können Winterleguminosen das Wasser aus dem Winter effektiv nutzen und im Frühjahr schnell an Masse zulegen.