Zwischenfrüchte: Die richtige Mischung macht’s

Mit dem EU-Beitritt Österreichs wurde ÖPUL gestartet. Das Umweltprogramm honoriert den Zwischenfruchtanbau, der seit damals aus dem heimischen Ackerbau nicht mehr wegzudenken ist. „Unser Land“ hat darüber mit Gabriele Hirsch, DIE SAAT Fachberaterin für Grünland und Sämereien, gesprochen.

Warum werden zwischen den Hauptkulturen Zwischenfrüchte angebaut?
Der wichtigste Grund sollte der damit einhergehende Humusaufbau sein. Und der bringt vielerlei Nutzen. So werden etwa Böden verbessert, das Bodenleben gestärkt und die Bodenfruchtbarkeit erhöht. In den Anfängen des Zwischenfruchtanbaus standen oft die Prämien und die damit verbundene „Verdienstmöglichkeit“ im Vordergrund. Das war und ist legitim, wenngleich zu kurzfristig gedacht. Heute gibt es immer mehr innovative Bauern, die langfristig denken und ihre Böden verbessern wollen. Das  geht am besten mit ausgewogenen Fruchtfolgen und mit Zwischenfruchtanbau. Und sie profitieren dadurch doppelt: Einerseits unmittelbar durch ein gestärktes Bodenleben oder einen Erosionsschutz und andererseits durch den langfristigen Humusaufbau.

Was heißt langfristig?
Da gibt es eine Faustregel: Um den Humusgehalt um 1 % zu erhöhen, ist eine optimale Bewirtschaftung mit etwa 30 Jahren Zwischenfruchtanbau notwendig.

Abgesehen vom Humusaufbau: Was hat ein Bauer davon, wenn er Zwischenfrüchte anbaut?
Da gibt es mehrere Vorteile: Ich denke etwa an den Erosionsschutz. Die Wurzeln schützen vor Abschwemmung, die oberirdischen Teile schützen vor Windabtrag. Begrünung schafft aber auch Beschattung; und die hilft, Wasser im Boden zu halten. Zwar verbrauchen die Pflanzen auch Wasser, aber netto bleibt dadurch mehr davon im Boden.

Der Zwischenfruchtanbau wird nun jetzt etwa ein Vierteljahrhundert in Österreich forciert. Was hat sich dabei verändert?
Es gibt bereits positive Veränderungen in Richtung Humusmehrung auf unseren Feldern. Allerdings stehen wir bei den Erkenntnissen und unserem Wissen über die Wirkung des Zwischenfruchtanbaus teilweise trotzdem erst am Anfang – vor allem, wenn es darum geht, was sich unterirdisch tatsächlich abspielt.

Welche Erkenntnisse wurden aus den bisherigen Erfahrungen gezogen?
In den Anfangszeiten wurden oft nur einzelne Kulturen angebaut und der Acker als Fläche gesehen. Heute sind wir da weiter: Es wäre falsch, einen Ackerboden nur zweidimensional zu sehen, als Fläche. Natürlich muss ich den Boden dreidimensional, also auch nach unten betrachten. Damit ergibt sich automatisch, dass ich den Boden auch in verschiedenen Tiefen verbessern möchte. Das gelingt mit Begrünungsmischungen, deren Komponenten unterschiedlich tiefe Wurzeln haben. Eine wichtige Erkenntnis über die Jahre ist, dass die Wurzeln der Begrünungen etwa 60 % zur Humusmehrung beitragen, während die oberirdischen Teile nur zu 40 % daran beteiligt sind. Eine weitere Erkenntnis ist, dass die Begrünungspflanzen nicht unbedingt sehr hoch sein müssen. Wichtig ist, dass sie ein „Dach“ bilden. Ein Zuviel an oberirdischen Pflanzenteilen beinhaltet die Gefahr, dass bei einer nicht sachgerechten Zerkleinerung der großen Biomassemengen zu luftdichten Mulchschichten kommt. Diese können vom Bodenleben nicht verarbeitet werden und es kommt zu Fäulnisprozessen statt zu einer Rotte.

Gibt es auch negative Auswirkungen der Begrünungen?
Natürlich muss man bei der Wahl seiner Begrünung die Gefahr von „grünen Brücken“ für Schädlinge und Krankheiten im Auge behalten.

Sie haben für den Humusaufbau die Zeitkomponente genannt. Wie sind in diesem Zusammenhang Pachtflächen zu sehen?
Da wird natürlich seltener in Generationen gedacht. Der Zwischenfruchtanbau ist jedoch trotzdem sinnvoll, vorteilhaft und vor allem wirtschaftlich tragbar. Für den Zwischenfruchtanbau gibt es aber auch preiswerte Lösungen, die trotzdem Nutzen für den Boden bringen, wenngleich nicht in dem Ausmaß wie bei qualitätsoptimierten Zwischenfruchtmischungen.

Sie haben schon mehrfach die Begrünungsmischungen angesprochen. Worauf kommt es dabei an?
Kurz gesagt: Das hängt vom jeweiligen Anspruch ab. So kann etwa – wie schon angesprochen – der Preis die zentrale Rolle spielen. Ich denke da im Sortiment von DIE SAAT an die Mischungen „SpeedPluss“ oder „AquaPluss früh“. Beide Mischungen bestehen aus 3 Komponenten. Das ist der Mindestanspruch, um förderwürdig zu sein. Gleichzeitig punkten die Mischungen aber auch bei ihrer Wirkung mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Ein weiterer zentraler Anspruch an eine Mischung kann die jeweils folgende Hauptkultur sein. So ist es etwa nicht sinnvoll, artverwandte Kulturen wie Raps und Senf zu kombinieren. Wir bieten aber auch sehr hochwertige Mischungen an. Ich denke da an „HumusPluss“ oder „BodenPluss“; HumusPluss ist mit 11 Komponenten das Top-Produkt aus österreichischer Produktion.

Wo liegt der konkrete Nutzen solcher hochwertigen Mischungen?
Bleiben wir bei der Folgekultur: Wenn 11 Komponenten in einer Mischung enthalten sind, spielt eine einzelne davon nur eine untergeordnete Rolle und wirkt sich nicht auf die Folgekultur aus. Gleichzeitig bringt sie aber einen bestimmten Nutzen. Und das in unserer Beispielmischung in der Kombination mit 10 anderen Partnern. Diese Mischungen bieten ein sehr unterschiedlich tiefes Wurzelsystem, das dem Boden besonders guttut und sie können bei jeder Folgekultur verwendet werden. Außerdem ist die Wetter- und Witterungsanfälligkeit der Zwischenfrüchte bei einer Mischung von 11 Pflanzen bei weitem nicht so hoch wie bei nur 3 kombinierten Zwischenfrüchten. Es gibt bei einer großen Vielfalt immer Mischungspartner, deren Effekt – trotz unterschiedlicher äußerer Bedingungen – für den Boden optimal ist. Viele Komponenten haben aber auch den Vorteil, dass sie – lässt man sie über den Winter stehen – zu unterschiedlichen Zeiten abfrosten. Damit können sie langsam verarbeitet werden, denn das Bodenleben braucht Zeit für die Verarbeitung. Vielfältige Mischungen sind daher für den Boden und die Humusmehrung optimal.

Gabriele Hirsch, MSc, ist Fachberaterin für Grünland und Sämereien bei DIE SAAT.

Detaillierte Informationen zu Begrünungsmischungen von AckerGrün finden Sie im aktuellen Fachblatt für Zwischenfrüchte & Begrünungen.

Eine große Vielfalt an Mischungspartnern optimiert den Effekt des Zwischenfruchtanbaus.