© RWAWarum jetzt schon an die Silomaisernte denken?
Ein Grundstein für den Erfolg im Stall wird schon bei der richtigen Wahl der Silomaissorte gelegt.
Der alte Stehsatz „Ein guter Körnermais ist auch ein guter Silomais“ mag früher zugetroffen haben, ist jedoch durch jahrelange intensive Züchtungsarbeit obsolet geworden. Durch intensive Züchtungsarbeit ist es in den letzten Jahrzehnten gelungen, auch die in der Restpflanze steckende Energie für Wiederkäuer besser nutzbar zu machen.
Der Ausgangspunkt der Überlegungen dabei: Silomais verfügt als Gras über eine unterschiedlich gute Verdaulichkeit, in den gut fünfzig Prozent der Restpflanze steckt also Potenzial, wie das folgende Beispiel verdeutlicht: Eine ein Prozent höhere Verdaulichkeit bringt 0,14 MJ NEL/kg Trockenmasse. 3,14 NEL sind ca. für 1 kg fettkorrigierte Milch (FCM) nötig. Bei 20 to Trockenmasse bedeutet das ein Plus von 890 kg FCM/ha. Durch die richtige Sortenwahl kann also ein nicht zu unterschätzender Effekt erzielt werden.
Ein echter Zusatznutzen entsteht dann, wenn die Ertragsleistung in Trockenmasse annähernd gleich hoch ist wie bei weniger gut verdaulichen Masseträgern oder zu stärkelastigen Körnermaissorten. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die Energie in Form von wiederkäuergerechten Faseranteilen in die Ration kommt. Diese kann im Pansen schneller abgebaut werden, wodurch die Futteraufnahme gesteigert wird. Auch die Kautätigkeit und somit der säurepuffernde Speichelfluss werden angeregt. Letzterer verhindert eine Übersäuerung was gesündere Tiere zur Folge hat. Man kann sich auch die Verschwendung von wertvollem Grundfutter sparen und beim Häckseln mehr Stängel durch möglichst niedrigen Schnitt miternten.
Erntezeitpunkt ausschlaggebend
Wie bei den anderen Gräsern, so ist auch bei Silomais der Erntezeitpunkt ausschlaggebend, um die genetischen Möglichkeiten einer Sorte vollends zu nutzen. 31 bis 35 % Trockensubstanz bei der Ernte bringen den optimalen Mix aus Stärke und verdaulicher Faserenergie. In der Praxis wird dieser Zeitpunkt leider oft verpasst. Hohe Temperaturen während der Wachstumsphase beschleunigen die Abreife oft unbemerkt, wodurch optimale Erntetermine versäumt werden. Immer häufiger fallen diese schon in den August.
Der französische Maiszüchter LG hat sich in den 1970er-Jahren zum Ziel gesetzt, spezielle Maissorten für verschiedene Rationsgestaltungen zu züchten. Mittlerweile bietet er ein breites Spektrum von hoch stärkeverdaulichen Sorten in grasbetonten Rationen bis hoch faserverdauliche Sorten für fast ausschließliche Maisrationen an. Uns ist es gelungen, eine reine Silomaissorte für den österreichischen Markt zu selektieren, die gute Qualität aus Stärke und Faser mit sehr hohem Ertrag kombiniert: LG 31.271 RZ ca. 280.
Die AGES prüft in ihrem Silomais-Prüfnetz ausschließlich Sorten aus der Körnermaiszulassung. Mittlerweile hat man aber erkannt, dass der Kolbenanteil allein kein ausreichendes Qualitätsmerkmal ist, weshalb man seit drei Jahren die Proben mittels NIRS Analytik auf diverse Verdaulichkeitsparameter prüfen lässt. Wie erwähnt, gibt es auch im Körnermaissortiment vereinzelt sehr gute Qualitätsmerkmale. In der mittleren Reifegruppe sticht in dieser Serie besonders die Sorte FINEGAN hervor. In der Reifegruppe um RZ 400 zeigt SY SOLANDRI laut AGES ein unerreichtes Qualitätsprofil. Beide sind in ihrem Reifesegment unter den ertragreichsten Sorten.
DI Martin Prüller - DIE SAAT Sortenentwicklung Mais